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Abdomen Sonographie

Krebs 4 Min. Lesezeit 03. Jan 2026

Abdomen Sonographie

Abdomensonographie: Was der Bauchultraschall für Longevity zeigt

Ein einfaches Screening, das Fettleber, Gefäßverkalkung und stille Probleme sichtbar macht

Auf einen Blick

Dauer Ca. 15-20 Minuten
Kosten (Selbstzahler) Ca. 80-150 €
Strahlenbelastung Keine
Vorbereitung Nüchtern (6-8 Stunden)
Besonderheit Erkennt Fettleber und Gefäßveränderungen – zwei zentrale Longevity-Marker

Ihre Vorbereitung

Was Sie beachten müssen Warum wichtig
6-8 Stunden nüchtern Gallenblase bleibt gefüllt, weniger Darmgas
Wasser ist erlaubt Stilles Wasser stört nicht
Medikamente normal einnehmen Mit wenig Wasser

Fragen Sie Ihren Anbieter

Frage Warum wichtig
Wird die Aorta systematisch beurteilt? Atherosklerose und Aneurysma-Ausschluss
Wird eine Aussage zur Leber-Echogenität gemacht? Fettleber als Marker für Insulinresistenz
Wird Restharn gemessen? Blasenfunktion, besonders bei Männern relevant

Warum Abdomensonographie für Longevity relevant ist

Der Bauchultraschall ist eine der am meisten unterschätzten Screening-Untersuchungen. Er ist schnell, schmerzlos, strahlungsfrei – und zeigt zwei wichtige Longevity-Marker: Fettleber und Gefäßverkalkung.

Das Problem: Viele Anbieter übergeben nur einen zusammengefassten Befund. Dieser lautet dann „unauffällig" oder „altersentsprechend" – ohne dass die für Longevity relevanten Parameter systematisch dokumentiert werden.

Für uns ist auch die negative Aussage wichtig: „Keine Steatosis hepatis". Wird die Leber-Echogenität gar nicht erwähnt, wissen wir nicht, ob überhaupt darauf geachtet wurde. Ideal wäre die Dokumentation des hepatorenalen Index – aber das führen nur wenige Untersucher im Alltag durch. Meist erfolgt eine semiquantitative visuelle Einschätzung, die zumindest im Befund festgehalten werden sollte.

Die Longevity-Befunde, auf die es ankommt

1 Steatosis hepatis (Fettleber)

Die Fettleber – heute als MASLD (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) bezeichnet – betrifft etwa 38% der Erwachsenen. Bei Typ-2-Diabetikern liegt die Prävalenz über 70%.

Warum das für Longevity wichtig ist:

Die Fettleber ist kein isoliertes Leberproblem. Sie ist ein Fenster in die metabolische Gesundheit:

  • Starker Zusammenhang mit Insulinresistenz
  • Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko – MASLD-Patienten sterben überwiegend an Herzkreislauferkrankungen
  • Oft der erste sichtbare Hinweis auf ein metabolisches Syndrom

Was der Ultraschall zeigt:

Die Leber erscheint bei Steatose echoreicher (heller) als die Niere. Der Hepatorenale Index (HRI) quantifiziert diesen Unterschied. Ein HRI ≥1,42 deutet auf Insulinresistenz hin.

85%

Sensitivität

94%

Spezifität

Für moderate bis schwere Steatose (>20-30% Leberfett)

2 Atherosklerose der Aorta

Die Bauchaorta ist gut mit Ultraschall darstellbar – und zeigt oft, was in anderen Gefäßen passiert.

Warum das für Longevity wichtig ist:

Atherosklerotische Plaques in der Aorta sind ein Marker für generalisierte Gefäßerkrankung. Sie zeigen indirekt, dass auch Karotiden, Koronararterien oder Beinarterien betroffen sein könnten.

In einer Studie waren abdominelle Plaques signifikant mit koronarer Stenose assoziiert (OR 3,37) – selbst wenn die Plaques nur gering ausgeprägt waren.

3 Bauchaortenaneurysma

Ein Aneurysma der Bauchaorta (≥3,0 cm Durchmesser) ist oft symptomlos. Im schlimmsten Fall können bestehende Aneurysmata reißen (rupturieren). Die Rupturmortalität liegt bei 81%.

USPSTF-Empfehlung (2019)
Männer 65-75, jemals geraucht Einmaliges Screening empfohlen
Männer 65-75, nie geraucht Individuell abwägen
Frauen ohne Risikofaktoren Routinescreening nicht empfohlen

Für Longevity-Patienten empfehlen wir, die Aorta bei jeder Abdomensonographie systematisch zu messen – unabhängig von Alter und Rauchstatus.

Die weiteren Organe – was man sehen sollte

Gallenblase

Gallensteine haben etwa 20% der Erwachsenen. Die meisten bleiben asymptomatisch, aber über 20% werden symptomatisch.

Sensitivität: >95%

Spezifität: ~100%

Steine ab 2 mm erkennbar

Longevity-Relevanz: Steine >3 cm gelten als Risikofaktor für Gallenblasenkarzinom.

Nieren

Der Ultraschall zeigt:

  • • Größe (normal: 10,6-10,7 cm)
  • • Parenchymdicke (<10 mm deutet auf Nierenschaden)
  • • Steine (Sensitivität 45-70%)
  • • Strukturelle Auffälligkeiten (Zysten, Tumoren)

Restharn

Besonders bei Männern relevant: Entleert sich die Blase vollständig?

Unter 65 Jahre: <50 ml normal

Über 65 Jahre: bis 100 ml normal

100-200 ml: erhöht

>200 ml: urologisch abklärungsbedürftig

Pankreas – die ehrliche Einschätzung

Das Pankreas ist oft schwer zu beurteilen. In etwa einem Drittel der Fälle ist der Pankreasschwanz nicht darstellbar.

Warum:

  • • Überlagerndes Darmgas
  • • Retroperitoneale Lage
  • • Bei Adipositas zusätzlich erschwert

Praktische Aspekte

Warum nüchtern?

6-8 Stunden Nahrungskarenz verbessern die Bildqualität:

Gallenblase bleibt mit Flüssigkeit gefüllt (nach Essen kontrahiert sie)

Weniger Gas im Darm

Bessere Pankreasdarstellung

Limitationen

Darmgas

Reflektiert Schallwellen und verhindert tiefere Sicht. Besonders Pankreas und retroperitoneale Strukturen sind betroffen.

Adipositas

Der Ultraschall ist die Bildgebung, die am stärksten von Übergewicht beeinträchtigt wird. BMI korreliert invers mit Bildqualität.

Was ein vollständiger Abdomen-Ultraschall umfassen sollte

Leber (Größe, Echogenität) Gallenblase Pankreas Beide Nieren Milz Aorta (Durchmesser, Plaques) Harnblase (Restharn)

Was im Befund stehen sollte

Ein guter Befund für Longevity-Patienten sollte explizit Stellung nehmen zu:

Parameter Was dokumentiert sein sollte
Leber-Echogenität Normal / erhöht (Steatose Grad I-III)
Aorta Durchmesser, Plaques ja/nein
Pankreas Beurteilbar / nicht beurteilbar
Restharn Volumen in ml

Befunde wie „altersentsprechend" oder „unauffällig" ohne diese Spezifikationen sind für Longevity-Zwecke nicht ausreichend verwertbar.

Fazit

Die Abdomensonographie ist ein einfaches, günstiges und strahlenfreies Screening – wenn sie richtig durchgeführt wird.

Für Longevity-Patienten sind drei Punkte zentral:

1

Fettleber erkennen – als Marker für Insulinresistenz und kardiovaskuläres Risiko

2

Aorta beurteilen – Atherosklerose und Aneurysma-Ausschluss

3

Vollständigkeit – alle Organe systematisch untersuchen, nicht nur kurz drüberschauen

Die Aussagekraft hängt stark davon ab, wie gründlich untersucht wird. Fragen Sie nach den für Sie relevanten Parametern – und lassen Sie sich nicht mit „unauffällig" abspeisen, wenn Sie wissen wollen, wie Ihre Leber und Ihre Gefäße wirklich aussehen.

Weiterführende Literatur & Wissenschaft

Für alle, die tiefer einsteigen wollen, haben wir hier die wichtigsten Studien zusammengestellt, auf die wir uns in diesem Artikel beziehen.

1 Fettleber & Insulinresistenz

Hepatic Steatosis and Insulin Resistance in Obese Subjects (2016)

Marchesini G et al.

Zeigt den starken Zusammenhang zwischen Leberverfettung und metabolischer Dysfunktion.

Link zur Studie (PubMed) →

2 Aortenaneurysma-Screening

USPSTF Recommendation Statement: Screening for Abdominal Aortic Aneurysm (2019)

US Preventive Services Task Force. JAMA.

Empfehlung für einmaliges Ultraschall-Screening bei Männern 65-75 mit Rauchhistorie.

Link zur Studie (PubMed) →

3 MASLD-Leitlinien

EASL-EASD-EASO Clinical Practice Guidelines on MASLD (2024)

European Association for the Study of the Liver.

Aktuelle Leitlinie zum Management der metabolischen Fettlebererkrankung.

Link zur Studie (PubMed) →

4 Gallensteine

Gallstones (Cholelithiasis) (2023)

StatPearls.

Übersicht zur Diagnostik mit Ultraschall als Methode der Wahl.

Link zur Studie (NCBI) →

Dr. med. Mario Domeyer & Dr. med. Paul Weißenfels

Longevity Office

Haben Sie Fragen zur Abdomensonographie?

Wir beraten Sie gerne individuell.

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