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Haukrebscreening

Krebs 6 Min. Lesezeit 14. Dez 2025

Haukrebscreening

Hautkrebsscreening: Von der Augendiagnose zum AI-gestützten Ganzkörper-Mapping

Wie KI-gestützte Systeme die Früherkennung revolutionieren – und warum die Kombination aus Dermatologe und Technologie die Zukunft ist

Auf einen Blick

Dauer Ca. 15-30 Minuten (Ganzkörper)
Kassenleistung Ab 35 Jahren alle 2 Jahre
Digitales Mapping Ca. 150-250 € (oft von PKV übernommen)
Warum es sich lohnt Früh erkanntes Melanom: >99% Überlebensrate vs. 35% bei Metastasen

Wann häufiger screenen?

Risikofaktor Empfohlenes Intervall
Standardrisiko (ab 35) Alle 2 Jahre
Heller Hauttyp (I-II) Jährlich
> 50 Muttermale Jährlich
Atypische Nävi 6-12 Monate
Familiäres Melanom 6-12 Monate
Z.n. Melanom 3-6 Monate (erste Jahre)

Fragen Sie Ihren Dermatologen

Frage Warum wichtig
Nutzen Sie AI-gestütztes Mole-Mapping? KI erreicht 95% Sensitivität – höher als die meisten Dermatologen allein
Gibt es digitale Verlaufskontrolle? Ohne digitale Dokumentation keine objektive Vergleichbarkeit über Zeit
Welches System wird eingesetzt? FotoFinder, Canfield, Vectra sind etablierte Anbieter

Warum Hautkrebsscreening ein Longevity-Thema ist

Die Prognose-Unterschiede sind dramatisch

Früh erkanntes Melanom (dünn, lokal): über 99% 5-Jahres-Überlebensrate

Mit Lymphknotenmetastasen: 75%

Mit Fernmetastasen: nur noch 35%

Bei dünnen Melanomen (Tumordicke unter 0,75 mm) liegen die Heilungschancen bei etwa 95%. In Deutschland werden zwei Drittel der Melanome mit einer Eindringtiefe unter 1 mm diagnostiziert – hier liegt die 10-Jahres-Überlebensrate bei 96%.

Das ist der Unterschied zwischen heilbar und lebensbedrohlich. Früherkennung rettet Leben – im wörtlichen Sinn.

Die Inzidenz steigt

Laut BARMER-Report 2025 liegt das Hautkrebsrisiko bei 1968 geborenen Frauen doppelt so hoch wie im Jahrgang 1952. Die Zahl der jährlichen Melanom-Fälle wird bis 2040 weltweit um über 50% zunehmen.

In Deutschland: ca. 25.000 Neuerkrankungen pro Jahr, etwa 3.000 Todesfälle.

Die gute Nachricht: Hautkrebs ist bei Früherkennung gut behandelbar. Die schlechte: Nur etwa 21% der Versicherten nutzen das Screening.

UV-Strahlung: Krebsrisiko und Anti-Aging in einem

90% der Hautalterung

UV-Strahlung ist für etwa 90% der sichtbaren Hautalterung verantwortlich – Falten, Pigmentflecken, Elastizitätsverlust. Das nennt man Photoaging.

Die IARC stuft UV-Strahlung in die höchste Risikogruppe 1 ein – definitiv krebserregend. Etwa 60% aller Melanome sind auf Sonnenexposition zurückzuführen.

Was das für Longevity bedeutet

Sonnenschutz ist gleichzeitig:

  • Krebsprävention
  • Anti-Aging-Maßnahme
  • Einer der effektivsten Lifestyle-Faktoren für Hautgesundheit

Doppelter Nutzen: länger leben UND besser aussehen.

Die ABCDE-Regel

Die klassische Selbstuntersuchungs-Regel für Muttermale:

Buchstabe Was zu beachten ist Warnzeichen
A = Asymmetrie Ist das Muttermal symmetrisch? Unregelmäßige Form
B = Begrenzung Sind die Ränder scharf? Unscharfe, ausgefranste Ränder
C = Color (Farbe) Ist die Farbe einheitlich? Mehrfarbig, ungleichmäßig pigmentiert
D = Durchmesser Wie groß ist es? > 5 mm oder schnelles Wachstum
E = Erhabenheit Ist es flach oder erhaben? Knotiges Wachstum, Neubildung auf ebenem Grund

Zusätzliche Warnzeichen: Jucken oder Bluten eines Pigmentmals. Diese Regel ist ein guter Anhaltspunkt für die Selbstuntersuchung – ersetzt aber nicht das professionelle Screening.

AI-gestützte Ganzkörper-Fotosysteme

Was es heute gibt

FotoFinder (DE)
  • • AIMEE (AI Mole Examination)
  • • Kooperation mit Uni Tübingen
  • • Größter dermatoskopischer Datensatz
  • • Kategorisierung: neu, verändert, unverändert
Canfield DermaGraphix
  • • Hochauflösende digitale Fotografie
  • • Automatische Nummerierung
  • • Im Einsatz am Memorial Sloan-Kettering
Vectra WB360
  • • Gesamte Hautoberfläche in einer Aufnahme
  • • Integrierte KI zur Kartierung

Wie funktioniert AI-gestütztes Mole-Mapping?

  1. 1 Systematische Fotografie des gesamten Körpers in wenigen Minuten
  2. 2 Erstellung einer digitalen "Body Map" aller Muttermale
  3. 3 Bei Folgeuntersuchungen: präziser Vergleich der Aufnahmen
  4. 4 KI-Detektion von Veränderungen in Größe, Farbe und Form
  5. 5 Risikobewertung für Malignität durch Deep-Learning-Algorithmen

Was kommt als Nächstes?

Fraunhofer Ganzkörperscanner

Ein System, das den gesamten Körper in nur 6 Minuten automatisch scannt – mit integrierter KI-Risikobewertung für jede auffällige Veränderung.

App-basiertes Screening

Apps wie SkinVision oder Miiskin nutzen Deep Learning für die Ersteinschätzung. Die Sensitivität erreicht bereits 85-95% für Melanome.

Das Modell der Zukunft: Primäres KI-Screening zu Hause für die Vorsortierung, dann gezielte Dermatologen-Konsultation bei auffälligen Befunden.

KI vs. Dermatologe: Was sagen die Studien?

Die Heidelberger "Man against machine"-Studie

Diese vielzitierte Studie verglich ein CNN (Convolutional Neural Network) mit 58 Dermatologen aus 17 Ländern:

KI-System 58 Dermatologen
Sensitivität 95% 86,6%
Spezifität 82,5% 71,3%

Nur 7 von 157 teilnehmenden Dermatologen erzielten bessere Ergebnisse als das KI-System.

Der Kontext ist wichtig

Sobald Ärzte zusätzliche klinische Informationen erhielten (Patientenhistorie, Risikofaktoren), verbesserten sich ihre Leistungen auf 88,9% Sensitivität und 75,7% Spezifität.

Das zeigt: Die Zukunft liegt nicht im Ersatz des Dermatologen durch KI, sondern in der Kombination – "augmentierte Intelligenz". Der Dermatologe bringt klinischen Kontext, die KI bringt unbestechliche Mustererkennung. Zusammen sind sie besser als jeder allein.

DKFZ-Studie zu erklärbarer KI

Eine aktuelle Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigte: Erklärbare KI (XAI), die ihre Entscheidungen nachvollziehbar macht, reduziert die kognitive Belastung bei Dermatologen und steigert Genauigkeit und Ausdauer bei der Diagnose.

Die optimale Kombination: Dermatologe + digitale Tools

Warum weder Mensch noch Maschine allein optimal ist

Die Studien zeigen ein klares Bild:

Szenario Sensitivität Spezifität
KI allein 95% 82,5%
Dermatologe allein 86,6% 71,3%
Dermatologe mit klinischem Kontext 88,9% 75,7%
Dermatologe + KI-Unterstützung Höchste Trefferquote Weniger Fehlalarme

Der Dermatologe bringt klinischen Kontext – Patientenhistorie, Risikofaktoren, Gesamteindruck. Die KI bringt unbestechliche Mustererkennung und lückenlose Dokumentation. Zusammen erreichen sie bessere Ergebnisse als jeder allein.

Was das in der Praxis bedeutet: Immer mehr Dermatologen setzen auf diese Kombination. Fragen Sie Ihren Dermatologen, ob digitale Verlaufskontrolle angeboten wird. Viele Praxen haben bereits Systeme wie FotoFinder im Einsatz.

Risikostratifizierung: Wer braucht mehr?

Hauttypen nach Fitzpatrick

Typ Beschreibung Melanomrisiko
I Sehr hell, immer Sonnenbrand, nie braun Höchstes Risiko
II Hell, meist Sonnenbrand, wenig braun Hohes Risiko
III Mittelhell, manchmal Sonnenbrand Mittleres Risiko
IV-VI Dunkler, selten/nie Sonnenbrand Niedrigeres Risiko

Menschen mit Hauttyp I haben ein mehr als doppelt so hohes Melanomrisiko wie dunkle Hauttypen.

Weitere Risikofaktoren

Viele Muttermale (>50)
Atypische (dysplastische) Nävi
Familiäre Melanom-Belastung
Frühere Hautkrebs-Erkrankung
Sonnenbrände in der Kindheit
Immunsuppression

Sonnenbrände in der Kindheit führen zur vermehrten Ausbildung von Muttermalen – und erhöhen das lebenslange Melanomrisiko.

Was ein modernes Screening enthalten sollte

Der neue Standard

  1. 1 Vollständige Ganzkörperuntersuchung – inklusive Kopfhaut, Fußsohlen, Genitalbereich
  2. 2 Dermatoskopie (Auflichtmikroskopie) aller auffälligen Läsionen
  3. 3 Digitale Dokumentation – für objektiven Verlaufsvergleich

Das Optimum: AI-gestütztes Total-Body-Mapping

  1. 4 Automatisierte Kartierung aller Läsionen mit Körperkarte
  2. 5 KI-Risikobewertung für jede einzelne Läsion
  3. 6 Präziser Vergleich bei Folgeuntersuchungen – die KI erkennt Veränderungen, die dem menschlichen Auge entgehen

Das ist keine Zukunftsmusik, sondern heute verfügbar. Fragen Sie Ihren Dermatologen nach FotoFinder, Canfield oder vergleichbaren Systemen.

Selbstuntersuchung: Sinnvoll, aber nicht ausreichend

Monatlich empfohlen

  • ABCDE-Regel anwenden
  • Bei guter Beleuchtung mit Spiegel
  • Rücken von vertrauter Person kontrollieren lassen
  • Veränderungen fotografisch dokumentieren
  • Bei Auffälligkeiten: zeitnah zum Dermatologen

Grenzen der Selbstuntersuchung

  • Amelanotische Melanome (ohne Pigment) sind schwer erkennbar
  • Schwer zugängliche Stellen (Kopfhaut, Rücken)
  • Fehlendes Training für subtile Veränderungen

Die Selbstuntersuchung ist ein wichtiges Element – ersetzt aber nicht das professionelle Screening.

Fazit

Hautkrebsscreening ist einer der wenigen Bereiche, wo Früherkennung den Unterschied zwischen heilbar und lebensbedrohlich macht. Die Zahlen sind eindeutig: >99% Überlebensrate bei früher Erkennung vs. 35% bei Fernmetastasen.

Die Technologie entwickelt sich rasant. KI-Systeme erreichen bereits heute eine höhere Sensitivität als der durchschnittliche Dermatologe. Die Kombination aus menschlicher Expertise und maschineller Präzision – "augmentierte Intelligenz" – ist die Zukunft.

Fragen Sie Ihren Dermatologen nach digitaler Verlaufskontrolle – das sollte heute Standard sein

Wenn verfügbar: AI-gestütztes Ganzkörper-Mapping (z.B. FotoFinder) – das ist der technologische Fortschritt, der Früherkennung auf ein neues Level hebt

Bei Risikofaktoren: kürzere Intervalle und konsequentes Monitoring

Monatliche Selbstuntersuchung mit ABCDE-Regel – und bei Auffälligkeiten sofort zum Spezialisten

UV-Schutz ist Anti-Aging UND Krebsprävention – eine der wenigen Interventionen mit doppeltem Nutzen

Sonnenschutz heute bedeutet gesündere Haut morgen – und möglicherweise ein längeres Leben.

Weiterführende Literatur & Wissenschaft

Für alle, die tiefer einsteigen wollen, haben wir hier die wichtigsten Studien zusammengestellt, auf die wir uns in diesem Artikel beziehen.

1 KI vs. Dermatologen

Man against machine: diagnostic performance of a deep learning convolutional neural network (2018)

Haenssle HA et al. Annals of Oncology.

Die Heidelberger Studie: KI 95% Sensitivität vs. Dermatologen 86,6%.

Link zur Studie (PubMed) →

2 Erklärbare KI

Dermatologist-like explainable AI enhances melanoma diagnosis accuracy (2024)

DKFZ Study. Nature Communications.

XAI reduziert kognitive Belastung und verbessert Diagnostik.

Link zur Studie (Nature) →

3 S3-Leitlinie

S3-Leitlinie Prävention von Hautkrebs (2021)

AWMF-Registernummer: 032/052OL.

Die deutsche Leitlinie mit 74 Empfehlungen zur Prävention und Früherkennung.

Link zur Leitlinie (AWMF) →

4 Epidemiologie

Krebs in Deutschland: Malignes Melanom der Haut

Robert Koch-Institut.

Aktuelle Inzidenz- und Mortalitätsdaten für Deutschland.

Link zur Statistik (RKI) →

Dr. med. Mario Domeyer & Dr. med. Paul Weißenfels

Longevity Office

Haben Sie Fragen zum Hautkrebsscreening?

Wir beraten Sie gerne individuell.

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