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Körperzusammensetzung mit BIA messen

Leistungsabfall 7 Min. Lesezeit 29. Dez 2025

Körperzusammensetzung mit BIA messen

Körperzusammensetzung: Warum Muskelmasse einer der stärksten Longevity-Prädiktoren ist

Was BIA und DEXA messen können, warum Körperzusammensetzung mehr sagt als der BMI – und ab wann es kritisch wird

Auf einen Blick

Dauer (BIA) Ca. 5-10 Minuten
Kosten (medizinische BIA) Ca. 50-100 €
Kosten (DEXA) Ca. 100-300 €
Kassenleistung Nein (IGeL)
Besonderheit BIA strahlungsfrei und wiederholbar, DEXA ist Goldstandard

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Longevity-relevante Parameter (BIA/DEXA)

Parameter Was er zeigt Grenzwert
ASMI (Muskelmasse-Index) Appendikuläre Skelettmuskelmasse/Größe² < 7.0 kg/m² (m) / < 5.5 kg/m² (w) = niedrig
Phasenwinkel Zellintegrität und -gesundheit < 5° = erhöhtes Risiko
Viszerales Fett Metabolisch aktives Bauchfett Reduzieren wenn erhöht
Körperfettanteil Gesamtfett in Prozent Stark alters- und geschlechtsabhängig

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Fragen Sie Ihren Anbieter

Frage Warum wichtig
Wird segmentale Messung durchgeführt? Nur Multi-Frequenz-BIA mit 8 Elektroden liefert präzise Daten
Sind die Messbedingungen standardisiert? Nüchtern, keine vorherige körperliche Aktivität, gleiche Tageszeit
Wird viszerales Fett angegeben? Nicht alle Geräte – bei DEXA und hochwertigen BIA-Geräten (InBody, seca) ja

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Warum Körperzusammensetzung ein Longevity-Thema ist

Der BMI ist ein schlechter Prädiktor für Gesundheit. Zwei Menschen mit identischem BMI können völlig unterschiedliche Risikoprofile haben – je nachdem, ob die Masse aus Muskel oder Fett besteht.

Was wirklich zählt:

  • Muskelmasse: Je mehr, desto besser – bis ins hohe Alter
  • Fettverteilung: Viszerales Fett ist gefährlich, subkutanes weniger
  • Muskelstärke: Sogar noch wichtiger als Muskelmasse allein

Manche Longevity-Mediziner gehen so weit zu sagen: Es sei fast fahrlässig, die eigene Körperzusammensetzung nicht zu kennen – besonders ab der Lebensmitte.

Muskelmasse als Mortalitäts-Prädiktor

Die Zahlen sind eindeutig

Eine Studie an älteren Amerikanern zeigte: Personen im höchsten Quartil für Muskelmasse-Index hatten ein 19-20% niedrigeres Sterberisiko verglichen mit dem niedrigsten Quartil.

Bei Hochbetagten (90+ Jahre) in China war niedrige Muskelmasse mit 54% erhöhtem Sterberisiko bei Frauen assoziiert.

Eine chilenische Langzeitstudie über 12 Jahre: ~50% im niedrigsten Muskelmasse-Quartil verstorben vs. nur 20% im höchsten.

Das Zeitproblem: Kraft sinkt schneller als Masse

Die Muskelmasse bleibt bis etwa 50 relativ stabil, dann beginnt ein Abbau von ca. 1-2% pro Jahr. Ab 65 beschleunigt sich dieser.

Aber hier wird es interessant: Muskelkraft sinkt 2-5x schneller als Muskelmasse. Die Health ABC Study zeigte, dass ältere Erwachsene jährlich etwa 3-4% an Kraft verlieren – deutlich mehr als an Masse. Der Grund: Neben dem Masseverlust verschlechtert sich auch die "Muskelqualität" durch Fetteinlagerung, Verlust schneller Muskelfasern und neuronale Veränderungen.

Wichtige Konsequenz: Muskelkraft ist der stärkere Mortalitätsprädiktor als Muskelmasse. Die InCHIANTI-Studie zeigte: Niedrige Kraft allein erhöhte das Sterberisiko um das 4,4-fache – Muskelmasse allein war nach Adjustierung kein signifikanter Prädiktor mehr.

Wer mit 65 schon wenig Muskelmasse und -kraft hat, landet mit 80 im gefährlichen Bereich. Prävention muss früher beginnen.

Exkurs: Griffstärke – ein wichtiger funktioneller Marker

Hinweis: Die Griffstärke ist keine BIA-Messung, sondern ein funktioneller Test. Wir erwähnen sie hier, weil sie die Körperzusammensetzungs-Diagnostik sinnvoll ergänzt – und prognostisch sogar stärker ist.

Warum ein Handgriff so viel verrät

Die Griffstärke ist ein Proxy für die gesamte Skelettmuskulatur und ihre Qualität. Sie lässt sich in Sekunden messen – und ist prognostisch bemerkenswert stark.

Die Zahlen

Die PURE-Studie (Lancet) mit Daten aus 17 Ländern zeigte: Pro 5 kg Reduktion der Griffstärke steigt das Mortalitätsrisiko um 16%.

Eine Meta-Analyse mit 1,9 Millionen Teilnehmern bestätigte: Höchste vs. niedrigste Griffstärke-Kategorie = 31% niedrigeres Sterberisiko (HR 0.69).

Besonders bemerkenswert: Griffstärke ist ein stärkerer Prädiktor für Mortalität als systolischer Blutdruck.

EWGSOP2-Grenzwerte für Sarkopenie

Geschlecht Grenzwert
Männer < 27 kg
Frauen < 16 kg

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Wer darunter liegt, erfüllt das erste diagnostische Kriterium für Sarkopenie. Ein einfacher Handkraftmesser (ca. 20-30 €) ermöglicht die Messung zu Hause.

Der Phasenwinkel: Ein aufkommender Biomarker

Was ist der Phasenwinkel?

Der Phasenwinkel wird bei der BIA-Messung erfasst. Er beschreibt das Verhältnis von Widerstand zu Reaktanz – vereinfacht: wie gut die Zellen Energie speichern können.

Ein höherer Phasenwinkel bedeutet: mehr intakte Zellmembranen, mehr Muskelmasse, bessere Zellgesundheit.

Die Zahlen

Die BICS-Studie (Journal of the American Heart Association) zeigte: Jede Reduktion um 1° ist mit einem etwa 3-fach erhöhten 12-Monats-Mortalitätsrisiko assoziiert.

Eine japanische Langzeitstudie (10,3 Jahre Follow-up): Das niedrigste Quartil hatte ein 49% höheres Sterberisiko.

Referenzwerte

Kategorie Männer Frauen
Durchschnitt (Erwachsene) 7.5° 6.5°
50. Perzentile 7.2-7.3° 6.2-6.3°
25. Perzentile (untere Norm) 6.5° 5.6°
Risikobereich < 5.0° < 5.0°

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Der Phasenwinkel sinkt mit dem Alter – bei Männern von ca. 7.9° (jung) auf 6.2° (80+), bei Frauen von 7.0° auf 5.6°. Ein starker Abfall kann früher auf Probleme hinweisen.

Viszerales vs. Subkutanes Fett

Nicht alles Fett ist gleich

Ca. 90% des Körperfetts ist subkutan (unter der Haut). Nur etwa 10% ist viszeral (um die Organe).

Aber dieses viszerale Fett ist metabolisch hochaktiv. Es produziert Entzündungsmediatoren, fördert Insulinresistenz und erhöht kardiovaskuläres Risiko.

Die AGES-Reykjavik-Studie

Viszerales Fett

Erhöhte Mortalität (HR 1.13 pro Standardabweichung)

Subkutanes Fett (Frauen)

Wirkte sogar protektiv (HR 0.70)

Das sogenannte "Obesity Paradox" erklärt sich zum Teil hieraus.

Was das praktisch bedeutet

Der Taillenumfang oder das Taillen-Hüft-Verhältnis sind bessere Risikomarker als der BMI. Ein DEXA-Scan kann viszerales Fett direkt quantifizieren.

DEXA vs. BIA: Was ist besser?

DEXA: Der Goldstandard

DEXA (Dual-Energy X-ray Absorptiometry) misst:

  • Knochendichte
  • Fettmasse (total und regional)
  • Magermasse (Muskel + Organe)
  • Viszerales Fett (direkt)

Vorteile: Höchste Genauigkeit, nicht beeinflusst von Hydratation

Nachteile: Strahlung (minimal), teurer, spezialisierte Einrichtungen

BIA: Die praktische Alternative

BIA schätzt über elektrischen Widerstand. Korrelation mit DEXA:

  • Magermasse: r = 0.91-0.99
  • Körperfett: r = 0.84-0.94

Vorteile: Keine Strahlung, schnell, kostengünstiger, ideal für Verlaufskontrollen

Nachteile: Abhängig von Hydratation, Consumer-Geräte oft ungenau

Welches Gerät?

Typ Technologie Genauigkeit Preis
Consumer-Waagen 4 Elektroden, 1 Frequenz Niedrig-Mittel 20-100 €
Medizinisch (InBody, seca) 8 Elektroden, Multi-Frequenz, segmental Hoch 5.000-15.000 € (Anschaffung)

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Unsere Empfehlung: Für seriöses Longevity-Monitoring empfehlen wir medizinische BIA-Geräte oder DEXA.

Bryan Johnson und Peter Attia: Was die Influencer machen

Bryan Johnson

Bryan Johnson nutzt beides:

  • DEXA-Scans für präzise Baseline und periodische Checks
  • BIA-Waage für tägliches Tracking

Sein Ziel: Körperfett unter 10%, was laut seinem System einem biologischen Alter von 16 Jahren entspricht. Nach 18 Monaten Blueprint-Protokoll: 99. Perzentile für Fett- und Muskelkomposition.

Peter Attia

Attia empfiehlt DEXA seit über einem Jahrzehnt jährlich. Sein Ziel für Patienten: oberhalb der 75. Perzentile für den ALMI (Appendicular Lean Mass Index) zu liegen.

Seine Kernaussage: Muskelstärke schlägt Muskelmasse als Prädiktor. Daher kombiniert er Körperzusammensetzungs-Messung immer mit funktionellen Tests (Griffstärke, VO2max, etc.).

Sarkopenie: Die Definition (EWGSOP2)

Der diagnostische Algorithmus: F-A-C-S

F

Find

Screening mit SARC-F

A

Assess

Muskelstärke messen

C

Confirm

Muskelmasse (DEXA/BIA)

S

Severity

Ganggeschwindigkeit

Grenzwerte

Parameter Männer Frauen
Griffstärke < 27 kg < 16 kg
ASMI (DEXA) < 7.0 kg/m² < 5.5 kg/m²
Ganggeschwindigkeit (schwer) < 0.8 m/s < 0.8 m/s

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Sarkopenie hat seit 2016 einen ICD-10-Diagnose-Code (M62.84). Das unterstreicht: Es ist eine anerkannte Erkrankung, nicht nur "normales Altern".

Standardisierung der BIA-Messung

Was vor der Messung zu beachten ist

Faktor Empfehlung
Nahrung Nüchtern (mind. 4 Stunden)
Sport Mind. 12 Stunden vorher keinen
Alkohol Mind. 24 Stunden vorher keinen
Blase Entleeren
Tageszeit Immer gleich (idealerweise morgens)
Position 5-10 Minuten liegen vor Messung

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Der Hydratations-Effekt

Wasseraufnahme vor der Messung führt zur Überschätzung des Körperfetts:

500 ml

+2-3% Fehler

1000 ml

+4-6% Fehler

2000 ml

+8-9% Fehler

Wichtig: Für Verlaufskontrollen immer dieselben Bedingungen einhalten.

Fazit

Die Körperzusammensetzung – insbesondere Muskelmasse und -stärke – ist einer der stärksten Prädiktoren für Langlebigkeit. Stärker als BMI, oft stärker als Blutdruck.

Für Longevity-orientierte Patienten bietet die regelmäßige Messung:

Einen objektiven Ausgangspunkt

Messbare Ziele für Training und Ernährung

Früherkennung von Sarkopenie-Risiko

Motivation durch sichtbaren Fortschritt

Die Griffstärke – obwohl keine BIA-Messung – ist dabei ein besonders aussagekräftiger ergänzender Marker. Ein Handkraftmesser kostet weniger als ein Restaurant-Besuch – aber die Information ist Gold wert.

Weiterführende Literatur & Wissenschaft

1 Muskelmasse und Mortalität

Muscle Mass Index as a Predictor of Longevity in Older Adults (2014)

Srikanthan P, Karlamangla AS. Am J Med.

Personen im höchsten Quartil: 19-20% niedrigeres Sterberisiko.

Link zur Studie (PubMed) →

2 Griffstärke als Prädiktor

Prognostic value of grip strength: findings from the PURE study (2015)

Leong DP et al. Lancet.

Pro 5 kg Reduktion: 16% erhöhtes Mortalitätsrisiko.

Link zur Studie (Lancet) →

3 EWGSOP2 Sarkopenie-Konsensus

Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis (2019)

Cruz-Jentoft AJ et al. Age Ageing.

Die aktuelle Definition mit Grenzwerten für Griffstärke und ASMI.

Link zur Studie (PubMed) →

4 Phasenwinkel

Phase Angle and the Risk of Mortality (2018)

BICS Study. J Am Heart Assoc.

Jede 1° Reduktion: ~3-fach erhöhtes 12-Monats-Mortalitätsrisiko.

Link zur Studie (AHA Journals) →

5 Muskelkraft vs. Muskelmasse

Strength, but not muscle mass, is associated with mortality in the Health ABC Study (2006)

Newman AB et al. J Gerontol A Biol Sci Med Sci.

Muskelkraft war mit Mortalität assoziiert, Muskelmasse nach Adjustierung nicht.

Link zur Studie (PubMed) →

Dr. med. Mario Domeyer & Dr. med. Paul Weißenfels

Longevity Office

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