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Schlafapnoe-Screening

Leistungsabfall 5 Min. Lesezeit 14. Jan 2026

Schlafapnoe-Screening

Schlafapnoe-Screening: Ein unterschätztes Longevity-Thema

Warum nächtliche Atemaussetzer mehr als nur Schnarchen sind – und wie ein einfacher Test zu Hause Klarheit schafft

Auf einen Blick

Häufigkeit Ca. 30% der Erwachsenen betroffen, 80% undiagnostiziert
Dauer (ambulant) Eine Nacht mit Messgerät zu Hause
Kosten (Selbstzahler) Ca. 150-300 € (ambulante Polygraphie)
Kassenleistung Ja, bei entsprechender Indikation
Longevity-Relevanz Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz

Hinweise, die an Schlafapnoe denken lassen

Symptom Was dahinter steckt
Schnarchen Bei 90% der OSA-Patienten vorhanden
Tagesmüdigkeit trotz ausreichend Schlaf Gestörte Schlafarchitektur durch Mikroerwachen
Nächtliches Wasserlassen (Nykturie) Oft durch Apnoe-Episoden ausgelöst, nicht primär Blasenproblem
Therapieresistenter Bluthochdruck OSA ist anerkannte Ursache
Vom Partner beobachtete Atemaussetzer Hohe Spezifität – aber Fehlen schließt OSA nicht aus

Fragen Sie Ihren Anbieter

Frage Warum wichtig
Reicht ein ambulanter Test oder brauche ich ein Schlaflabor? Bei Begleiterkrankungen ist PSG im Labor genauer
Welche Parameter werden ausgewertet? AHI und ODI sollten beide dokumentiert sein
Was passiert bei positivem Befund? Therapieoptionen (CPAP, Gewichtsreduktion, Lagerung) sollten besprochen werden

Warum Schlafapnoe ein Longevity-Thema ist

Schlafbezogene Atemstörungen sind keine harmlose Lästigkeit. Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) betrifft etwa ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung – und bis zu 80% der Betroffenen wissen es nicht.

Das Problem geht weit über schlechten Schlaf hinaus.

Kardiovaskuläres Risiko

OSA erhöht das Risiko für koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Schlaganfall. Eine große JAMA-Studie von 2024 zeigte: Die Behandlung mit Überdrucktherapie (PAP) ist mit niedrigerer Gesamtmortalität und weniger schweren kardiovaskulären Ereignissen assoziiert.

Demenz-Risiko

Meta-Analysen zeigen einen Zusammenhang zwischen OSA und erhöhtem Demenzrisiko – die Hazard Ratio liegt bei 1,33 für Demenz allgemein und 1,45 für Alzheimer. Schlaf ist eine der Zeiten, in der das Gehirn Stoffwechselprodukte abbaut. Ständige Unterbrechungen stören diesen Prozess.

Schlafarchitektur

Bei schwerer OSA ist der Tiefschlaf (N3) und REM-Schlaf reduziert. 83% aller Apnoe-Episoden enden mit einem Mikroerwachen – oft so kurz, dass man sich nicht daran erinnert, aber lang genug, um die Schlafzyklen zu fragmentieren.

Die typischen Hinweise – und einer, der oft übersehen wird

Die Klassiker

  • Schnarchen: Bei 90% der OSA-Patienten vorhanden

  • Tagesmüdigkeit: Trotz vermeintlich ausreichender Schlafdauer

  • Beobachtete Atemaussetzer: Wenn der Partner Atemstillstände bemerkt, ist das ein starker Hinweis

  • Morgendliche Kopfschmerzen: Durch nächtliche CO2-Retention

Der unterschätzte Hinweis: Nykturie

Häufiges nächtliches Wasserlassen wird oft der Prostata zugeschrieben oder als Alterserscheinung abgetan. Tatsächlich zeigen Studien: Nykturie hat eine Sensitivität von 85% für Schlafapnoe.

Die meisten nächtlichen Aufwachepisoden, die Patienten dem Harndrang zuschreiben, werden tatsächlich durch Apnoe-Episoden ausgelöst. Man wacht auf – und dann merkt man, dass die Blase auch drückt.

Was der Partner sagt – und was er nicht sieht

Wenn der Partner Atemaussetzer beobachtet hat, ist das ein starker Hinweis. In Kombination mit Schnarchen liegt die Spezifität bei 94%.

Aber: Wenn der Partner nichts bemerkt hat, schließt das OSA nicht aus. Nicht alle Partner schlafen im selben Zimmer, nicht alle Episoden werden bemerkt.

Wer besonders betroffen ist

Übergewicht – aber nicht nur

Die Verbindung zwischen Übergewicht und Schlafapnoe ist gut dokumentiert:

  • Pro Standardabweichung BMI-Erhöhung steigt das OSA-Risiko um das 4-fache
  • Bei BMI >40: 40-90% haben OSA
  • 10% Gewichtsreduktion kann den AHI um 30% senken

Aber: Fast ein Viertel aller OSA-Patienten hat Normalgewicht. Bei diesen spielen anatomische Faktoren (enger Rachenraum) und ein niedriger Arousal-Schwellenwert die Hauptrolle.

Therapieresistente Hypertonie

Wenn der Blutdruck trotz drei oder mehr Medikamenten schlecht eingestellt bleibt, sollte Schlafapnoe aktiv gesucht werden. OSA ist eine anerkannte Ursache resistenter Hypertonie.

Eine Meta-Analyse von 2024 zeigte: CPAP-Therapie senkt den 24h-systolischen Blutdruck im Schnitt um 6 mmHg – das ist klinisch relevant.

Herzinsuffizienz und zentrale Apnoe

Bei Herzinsuffizienz kann eine andere Form auftreten: die zentrale Schlafapnoe mit Cheyne-Stokes-Atmung. Hier liegt das Problem nicht in der Verlegung der Atemwege, sondern in der instabilen Atemregulation. Diese Form erfordert andere Therapieansätze.

Die Diagnostik: Ambulant oder Schlaflabor?

Ambulante Polygraphie (zu Hause)

Ein tragbares Gerät misst über Nacht:

  • • Atemfluss (Nasenbrille)
  • • Atembewegungen (Brustgurt)
  • • Sauerstoffsättigung (Fingersensor)
  • • Herzfrequenz
  • • Körperlage

Die Zahlen:

Sensitivität: 95% | Spezifität: 63%

Gut geeignet bei hohem Verdacht auf moderate bis schwere OSA

Polysomnographie im Schlaflabor

Der Goldstandard – zusätzlich werden EEG, Augenbewegungen und Muskeltonus gemessen. Das erlaubt die Analyse der Schlafstadien, nicht nur der Atmung.

Wann ist das Schlaflabor besser?

  • • Kardiorespiratorische Vorerkrankungen
  • • Neuromuskuläre Erkrankungen
  • • Verdacht auf Hypoventilation
  • • Einnahme von Opioiden
  • • Schwere Insomnie
  • • Abklärung auffälliger ambulanter Befunde

Die Parameter

AHI (Apnoe-Hypopnoe-Index)

Anzahl der Atemaussetzer und -reduktionen pro Stunde.

Mild: 5-14 | Moderat: 15-29 | Schwer: >30

ODI (Oxygen Desaturation Index)

Anzahl der Sauerstoffabfälle (≥3%) pro Stunde.

Korreliert stark mit dem AHI und ist besonders für die kardiovaskuläre Prognose relevant.

Unser Algorithmus

Frage: Sollte auf Schlafapnoe gescreent werden?

├─► Risikofaktoren vorhanden?

• Schnarchen + Tagesmüdigkeit

• Nykturie (>1x/Nacht)

• Therapieresistente Hypertonie

• BMI >30

• Beobachtete Atemaussetzer

→ Bei ≥2 Faktoren: Screening empfohlen

├─► Begleiterkrankungen?

• Herzinsuffizienz, COPD, neuromuskuläre Erkrankung

→ Polysomnographie im Labor bevorzugen

└─► Unkomplizierter Fall mit hohem Verdacht

→ Ambulante Polygraphie ausreichend

Was bei positivem Befund passiert

Die Therapie richtet sich nach Schweregrad und Ursache. Häufige Möglichkeiten:

CPAP/PAP-Therapie

Standard bei moderater bis schwerer OSA. Das Gerät hält die Atemwege durch kontinuierlichen Überdruck offen. Die Evidenz für kardiovaskuläre Risikoreduktion ist gut – aber nur bei regelmäßiger Nutzung.

Gewichtsreduktion

Bei übergewichtigen Patienten kann Gewichtsabnahme den AHI relevant senken. 10% Gewichtsverlust entspricht etwa 30% AHI-Reduktion.

Lagetherapie

Bei lageabhängiger OSA (nur oder hauptsächlich in Rückenlage) kann eine Positionstherapie ausreichen.

Unterkieferprotrusionsschiene

Alternative bei milder bis moderater OSA, wenn CPAP nicht toleriert wird.

Fazit

Schlafapnoe ist eines der am meisten unterschätzten Longevity-Themen. Ein Drittel der Bevölkerung ist betroffen, aber 80% wissen es nicht.

Die Konsequenzen reichen von Tagesmüdigkeit über Bluthochdruck bis zu erhöhtem Demenz- und Herzinfarktrisiko. Die gute Nachricht: Die Diagnostik ist einfach. Eine Nacht mit einem ambulanten Messgerät reicht in den meisten Fällen.

Besonders hellhörig sollten Sie werden bei: Schnarchen mit Tagesmüdigkeit, häufigem nächtlichen Wasserlassen, therapieresistentem Bluthochdruck – oder wenn Ihr Partner Atemaussetzer beobachtet hat.

Weiterführende Literatur & Wissenschaft

Für alle, die tiefer einsteigen wollen, haben wir hier die wichtigsten Studien zusammengestellt, auf die wir uns in diesem Artikel beziehen.

1 Prävalenz und Unterdiagnose

Unmasking Obstructive Sleep Apnea: Estimated Prevalence and Impact in the United States (2025)

Respir Med. 2025 Nov;248:108348.

Zeigt dass 32,4% der US-Erwachsenen von OSA betroffen sind.

Link zur Studie (PubMed) →

2 Kardiovaskuläres Risiko

Positive Airway Pressure, Mortality, and Cardiovascular Risk in Older Adults With Sleep Apnea (2024)

JAMA Network Open.

PAP-Nutzung mit niedrigerer Gesamtmortalität und weniger MACE assoziiert.

Link zur Studie (JAMA) →

3 Demenz-Risiko

Sleep Disorders Increase the Risk of Dementia, Alzheimer's Disease, and Cognitive Decline: A Meta-Analysis (2025)

Ungvari Z et al. Geroscience. 2025 Jun;47(3):4899-4920.

OSA erhöht Demenz-Risiko um 33%, Alzheimer-Risiko um 45%.

Link zur Studie (PubMed) →

4 Blutdruck

Effect of CPAP on Blood Pressure in Patients with Resistant Hypertension (2024)

Meta-Analyse.

CPAP senkt 24h-systolischen Blutdruck um 5,92 mmHg.

Link zur Studie (PubMed) →

5 Nykturie als Symptom

Nocturia and Snoring: Predictive Symptoms for Obstructive Sleep Apnea (2009)

Romero E et al. Sleep and Breathing.

Nykturie mit 85% Sensitivität für OSA.

Link zur Studie (PubMed) →

Dr. med. Mario Domeyer & Dr. med. Paul Weißenfels

Longevity Office

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